Die meisten Steuerstrategien wirken erst, nachdem du Geld ausgegeben hast. Der Investitionsabzugsbetrag (IAB) nach § 7g EStG dreht dieses Prinzip um: Du senkst deine Steuerlast heute – für eine Investition, die du erst in den nächsten Jahren tätigst. Für Praxisinhaber, Freiberufler und Unternehmer mit schwankenden oder außergewöhnlich guten Jahren ist das einer der wirkungsvollsten legalen Steuerhebel überhaupt. In diesem Beitrag erfährst du, wie der IAB funktioniert, für wen er sich lohnt und welche Stolperfallen du kennen solltest.
Was ist der Investitionsabzugsbetrag?
Mit dem IAB darfst du bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten eines beweglichen Wirtschaftsguts bereits vor dem Kauf gewinnmindernd geltend machen. Du ziehst den Betrag also von deinem Gewinn ab, obwohl noch kein Euro geflossen ist. Die eigentliche Investition musst du dann innerhalb von drei Wirtschaftsjahren nachholen.
Das Ergebnis: Dein zu versteuerndes Einkommen sinkt in einem Jahr, in dem du ohnehin einen hohen Grenzsteuersatz hast – und die Steuerzahlung verschiebt sich in die Zukunft. Diesen Liquiditätsvorteil kannst du zwischenzeitlich arbeiten lassen, etwa zur Tilgung, als Rücklage oder im Depot.
Die Voraussetzungen im Überblick
Der Gesetzgeber knüpft den IAB an klare Bedingungen:
- Dein Gewinn darf im Jahr der Bildung 200.000 Euro nicht überschreiten – das gilt für Bilanzierer wie für Einnahmen-Überschuss-Rechner.
- Begünstigt sind bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens: Praxisgeräte, Maschinen, Fahrzeuge, Büro- und IT-Ausstattung. Immobilien zählen nicht dazu.
- Das Wirtschaftsgut muss zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt werden.
- Pro Betrieb kannst du IAB von insgesamt bis zu 200.000 Euro gleichzeitig führen.
- Die Investition muss innerhalb von drei Jahren nach dem Abzugsjahr erfolgen, sonst wird der IAB rückwirkend aufgelöst.
Zahlenbeispiel: Ärztin plant ein neues Praxisgerät
Dr. Lehmann, niedergelassene Radiologin in Hamburg, hat 2026 ein starkes Jahr mit 190.000 Euro Praxisgewinn. Für 2028 plant sie die Anschaffung eines Ultraschallgeräts für 100.000 Euro. Statt zu warten, bildet sie bereits in der Steuererklärung 2026 einen IAB über 50.000 Euro.
| Position | Ohne IAB | Mit IAB |
|---|---|---|
| Praxisgewinn 2026 | 190.000 € | 190.000 € |
| Investitionsabzugsbetrag | 0 € | −50.000 € |
| Zu versteuernder Gewinn | 190.000 € | 140.000 € |
| Steuerentlastung 2026 (Grenzsteuersatz ca. 44 % inkl. Soli) | – | ca. 22.000 € |
Rund 22.000 Euro Steuern bleiben 2026 zunächst in der Praxis. Bei der Anschaffung 2028 wird der IAB dem Gewinn wieder hinzugerechnet, gleichzeitig aber auf die Anschaffungskosten übertragen – die Effekte gleichen sich weitgehend aus. Unterm Strich hat Dr. Lehmann die Steuerlast aus ihrem Spitzenjahr in Jahre mit womöglich niedrigerem Steuersatz verlagert und zwei Jahre lang mit dem Geld arbeiten können.
Der Turbo: 40 Prozent Sonderabschreibung obendrauf
Der IAB lässt sich mit der Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG kombinieren. Für Anschaffungen seit 2024 beträgt sie 40 Prozent der (um den IAB geminderten) Anschaffungskosten – frei verteilbar auf das Jahr des Kaufs und die vier Folgejahre. Zusammen mit der regulären Abschreibung kannst du so einen großen Teil der Investition steuerlich stark nach vorne ziehen. Gerade wenn du in den kommenden Jahren mit weiter hohen Einkünften rechnest, entsteht daraus ein spürbarer Zins- und Progressionsvorteil.
Für wen der IAB besonders interessant ist
Praxisinhaber und Freiberufler
Wer ohnehin regelmäßig in Geräte, Ausstattung oder Fuhrpark investiert, kann Investitionszyklen aktiv zur Steuerung des Gewinns nutzen – etwa um ein Ausnahmejahr abzufedern oder unter der Gewinngrenze von 200.000 Euro zu bleiben.
Unternehmer mit GmbH
Auch Kapitalgesellschaften können den IAB nutzen. Hier wirkt er auf Körperschaft- und Gewerbesteuer und lässt sich mit der Investitionsplanung im Rahmen deiner Gesamtstrategie kombinieren.
Gründer
Schon vor der Betriebseröffnung kann ein IAB möglich sein, wenn die Investitionsabsicht hinreichend konkret ist – ein oft übersehener Hebel im Jahr vor dem Start.
Stolperfallen, die du kennen solltest
Der IAB ist kein Selbstläufer. Investierst du nicht innerhalb der Drei-Jahres-Frist, macht das Finanzamt den Abzug rückgängig – der alte Steuerbescheid wird geändert, und auf die Nachzahlung fallen Zinsen an. Auch die 90-Prozent-Grenze bei der betrieblichen Nutzung wird gern unterschätzt, etwa beim Firmenwagen mit privater Mitbenutzung. Und: Ein IAB nur zur Steuerstundung ohne echte Investitionsabsicht ist riskant und kann teuer enden.
Wichtig außerdem: Ob und in welcher Höhe sich der IAB für dich rechnet, hängt von deinem individuellen Steuersatz, deiner Gewinnentwicklung und deiner Liquiditätsplanung ab. Die konkrete Umsetzung gehört in die Abstimmung mit deinem Steuerberater – wir betrachten den IAB als Baustein deiner Gesamtvermögensstrategie.
Fazit: Steuern verschieben, Liquidität gewinnen
Der Investitionsabzugsbetrag ist eine der wenigen Möglichkeiten, die Steuerlast eines starken Jahres aktiv nach hinten zu verlagern – und die frei werdende Liquidität für Tilgung, Rücklagen oder Vermögensaufbau zu nutzen. Wer seine Investitionen ohnehin plant, sollte den Zeitpunkt der steuerlichen Geltendmachung nicht dem Zufall überlassen. Richtig eingesetzt, verbindet der IAB unternehmerische Planung mit persönlichem Vermögensaufbau.
Planst du in den nächsten Jahren größere Investitionen in Praxis oder Unternehmen?
Wir zeigen dir, wie du den Investitionsabzugsbetrag sinnvoll in deine Gesamtstrategie aus Steueroptimierung, Liquiditätsplanung und Vermögensaufbau integrierst.
Autor: Niclas Denzer | NC Finance Vermögensberatungsgesellschaft | Stand: Juli 2026











